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Ich ticce richtig - Leben mit Tourette Ich bin Hermann, geboren
1956
in Speyer am Rhein. Von 1963-1967 besuchte ich die Zeppelinschule,
anschließend die Staatliche Realschule in Speyer, die ich 1973 mit der Mittleren Reife
abschließen konnte. In den darauffolgenden Jahren Ausbildung zum
Industriekaufmann und Erwerb der Fachhochschulreife Betriebswirtschaft.
Verschiedene berufliche Tätigkeiten, unter anderem in der Motorbootabteilung
einer ortsansässigen Schiffswerft und in der kommunalen Verwaltung
(Stadtverwaltung, Stadtwerke) meines Wohnortes, sowie in zwei Gärtnereien
und einem Naturkostladen. Des Weiteren: ein Praktikum in einer alternativen
Buchhandlung. Ehrenamtliches Engagement: in einem
Altenheim und für ein Kinder- und Jugendtheater. Reisen: Marokko, Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien, Nepal, Sri Lanka, Thailand, Malaysia, Indonesien, Japan und europäische Länder.
Mein Leben mit dem Tourette-Syndrom (TS) Im Alter von ungefähr 7 Jahren treten erstmals autoaggressive Handlungen auf. Mit Rasierklingen und scharfen Messern schneide ich mir in Finger und Handballen. Erste Blinzeltics und Grimassieren mit 12 Jahren, einige Monate später kommen Kopfschütteltics hinzu. Mit 16 entwickeln sich krampfartige muskuläre Tics im Bereich der Oberarme mit starken Schmerzen und erste vokale Tics. Im weiteren Verlauf zeigen sich ausgeprägte motorische und vokale Tic-Formen, die häufig wechseln. Ab dem 35. Lebensjahr stehen entweder motorische oder vokale Tics im Vordergrund und persistieren für mehrere Monate. Auffällig ist, dass der Wechsel in der Symptomatik nicht mehr so häufig vonstatten geht wie in den Jahren davor. Mit 45 Jahren treten erstmalig koprolale Symptome auf, ein bis zwei Jahre später, milde echolale** Symptome. Die echolale Symptomatik bildet sich nach einigen Monaten wieder zurück. Im Alter von 51 Jahren hat sich die koprolale Symptomatik, die in Kombination mit einfachen und anderen komplexen vokalen Tics in Erscheinung trat erheblich zurückgebildet. Auch die motorische Symptomatik ist deutlich zurückgegangen. * Koprolalie: unkontrollierbare Neigung
obszöne oder sozial tabuisierte Begriffe, häufig mit sexuellem Inhalt,
aussprechen zu müssen
MRT-Movie meines Gehirns (FZ Jülich 11,273 MB) dauert bei DSL-Verbindungen ca. 30-60 Sekunden, bis sich die Datei öffnet Information und Interpretation Viele Tourette-Erkrankungen beginnen zwischen dem 6. und 8. Lebensjahr und erreichen in der Pubertät ihren Höhepunkt. Die meisten Betroffenen erleben in der Zeit danach einen Rückgang ihrer Beschwerden und kommen ohne oder mit medikamentöser Unterstützung im Leben gut zurecht. Die erste exakte Diagnose erhalte ich 1986, ungefähr 18 Jahre nachdem sich erstmals Blinzeltics entwickelt hatten. Der Verlauf meines TS war sehr untypisch. Der Höhepunkt der diversen motorischen und vokalen Symptome war zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr, meines Erachtens mit ausgelöst durch die fehlende Diagnose, große Lebensunzufriedenheit, eine extreme Sinnkrise und Perspektivlosigkeit. Die im Alter von 45 Jahren erstmals auftretende Koprolalie in Kombination mit einfachen und anderen komplexen Vokaltics stellt mich vor massive Akzeptanzprobleme. Ich erlebe diese Symptomatik wie eine Neuerkrankung und ziehe mich aus dem sozialen Leben zurück. Den Kontrollverlust über die eigene Sprache empfinde ich als demütigend. Vokale Tics werden von der Bevölkerung weit weniger toleriert als motorische Tics. Die Koprolalie, von der nur etwa 15-20 % der Touretter/innen betroffen sind, ist kein essenzielles diagnostisches Merkmal des Tourette-Syndroms und kommt auch bei anderen neuropsychiatrischen und neurodegenerativen Erkrankungen vor. Einen markanten Rückgang der motorischen Tics erlebte ich durch die Entscheidung als Veganist zu leben (ohne tierisch-eiweißhaltige Lebensmittel). Der Rückgang der Symptomatik durch diese spezielle Ernährungsweise ist neurowissenschaftlich bisher nicht zu erklären und auch nicht auf andere Tourette-Betroffene zu übertragen.
Selbsterfahrungsbericht:
Einflüsse veganer Ernährung auf mein Tourette-Syndrom (pdf) |
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| Pater Josef Gottar |
| Roland Straub |
| Dr. Joseph Murphy |
| Dr. Heiko Fouquet |
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Temporäre Beruhigung meiner Tourette-Symptomatik Tanzen, Waldspaziergänge, Schwimmen und Radfahren beruhigen vorübergehend meine Tourette-Symptomatik. Wichtig ist, dass ich die jeweiligen körperlichen Aktivitäten ohne Leistungsdruck betreibe. Eine besondere Leidenschaft habe ich für alpines Skifahren und Skaten. In drei kurzen Videos können Sie sehen, dass während einer Skiabfahrt und beim Skaten keine motorischen Tics auftreten, die "tourettische Energie" fließt sozusagen in die Erfordernisse der Bewegungen mit ein und tritt nicht mehr auf: Video Skiabfahrt I 10,3 MB Video Skiabfahrt II 16,7 MB Video
Inlineskaten 6,9 MB
Mitwirkung an TV-Reportagen und einem Radio-Interview RTL II
"exklusiv - die reportage" am 6. Mai 2004 PRO7
Mittagsmagazin "SAM" am 18. November 2005 ZDF
"Hallo Deutschland" am 19. Februar 2008 SAT.1
"Das Sat.1-Magazin" am 14. September 2008 SWR1-Radio-Interview
"Der Abend" am 24. November 2009 VOX
"Stern TV Magazin" am 19. Januar 2010
Vorträge über das
Tourette-Syndrom Tourette-Initiative
67346 Speyer am Rhein Weitere Aktivitäten Teilnahme an folgenden
Studien:
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